Au-Pair Andrea berichtet direkt aus Oslo
Vor meiner Abreise
Vor meiner Abreise nach Norwegen war ich etwas nervös. Ein neues Land, eine neue Sprache. Natürlich freut man sich auf eine neue Erfahrung über eine längere Zeit, das bedeutet aber auch, dass man Sachen loslassen muss. Klar macht man sich während der Zeit bis zur Ankunft Gedanken über Erwartungen usw. aber ich denke das ist völlig normal und auch menschlich. Ich bin mit der SAS-Airline geflogen und kann nur Gutes berichten.
Eine Zeit als Au-Pair gibt einem die Möglichkeit, neue Kulturen, Länder und Traditionen hautnah mitzuerleben und das als Teil eines Familie. Du sammelst Erfahrungen, wodurch du nur dazulernen kannst und sich dein Blick auf gewisse Dinge eventuell ändern kann. Ich habe mich für ein Au-Pair entschieden, weil ich eine andere Seite der Kinderbetreuung kennenlernen wollte und schon länger den Wunsch hatte, für eine längere Zeit im Ausland zu arbeiten. Ich bin auf Study Work Travel gestossen, weil ich eine regionale Agentur gesucht habe, die mich bei dem ganzen Prozess unterstützt.
Ankunft in Oslo
Das Wetter bei meiner Ankunft war etwas trüb, was mich keineswegs überraschte, da der Herbst bereits begonnen hatte. Norwegen ist bekannt dafür, dass es ab Oktober mehrheitlich schlechtes Wetter hat. Das war meine Erfahrung. Ich konnte mich glücklich schätzen, dass ich durch meine Vorgesetzte am Flughafen abgeholt wurde, was nicht selbstverständlich ist.
Ich wurde herzlich von meiner Gastfamilie empfangen und wir haben uns miteinander ausgetauscht. Ab dem nächsten Tag hatte ich eine Woche Einführungszeit, um die Abläufe und Routinen kennen zu lernen. Ich kann mich mit meiner Gastfamilie hier sehr glücklich schätzen. Wenn ich Fragen habe oder Hilfe bei etwas brauche, sind sie für mich da. Zudem fand ich es auch toll, dass wir am Tag nach meiner Ankunft einen Spaziergang durch die Stadt gemacht haben und mir gezeigt wurde, wo sich alles befindet.
Ein typischer Tag als Au-Pair
Mein Morgen beginnt um 6.30 Uhr und um 7.00 Uhr beginnt meine Arbeitzeit. Wenn ich aufstehe, sind die Kinder in der Regel bereits wach. Als erstes räume ich die Kinderzimmer auf und anschliessend bereite ich das Frühstück für die Kinder vor- es gibt Porridge. Parallel dazu richte ich die Snackboxen für die Kinder her. Diese bestehen meist aus Obst und Gemüse sowie zwei Scheiben Brot mit verschiedenen Aufstrichen.
Sobald alles fertig ist, räume ich den Geschirrspüler aus und spüle das benutzte Geschirr. Danach verbringe ich meist Zeit mit den Kindern und helfe ihnen. Wenn wir noch genügend Zeit haben, lesen wir ein Buch, zeichnen oder spielen zusammen. Anschliessend helfe ich den Kindern dabei, ihre Kleidung anzuziehen. Die beiden sind 2 und 4 Jahre alt. Danach gehen sie gemeinsam mit den Eltern in den Kindergarten.
Für mich stehen anschliessend unterschiedliche Haushaltsaufgaben an: Wäsche aufhängen, Bügeln, Zusammenlegen und Wegräumen, Staubsaugen oder den Boden wischen – je nach Wochentag.
Durch den Tag habe dann meistens nichts zu erledigen und habe «Freizeit».
Am Abend beginnt meine Arbeitszeit um 16.00 Uhr, wenn ich die Kinder abholen muss. Auf dem Heimweg naschen die Kinder aus ihren Snackboxen und sobald wir zu Hause sind, üben wir derzeit, die Kleidung ordentlich aufzuhängen und die Schuhe wegzuräumen. Nach dem Händewaschen spielen die Kinder meistens.
Wenn ich die Kinder nicht abholen muss, starte ich um 17.00 Uhr. Dann kommt es in der Regel vor, dass ich das Abendessen für die Familie zubereite. Wir essen meistens gegen 18.00 Uhr. Als Au-Pair muss ich nicht zwingend mitessen, aber ich mache es jedoch, da es sonst umständlicher ist, später separat zu kochen und ausserdem mögen wir ohnehin ähnliche Dinge.
Gegen 18.30 Uhr sind wir meistens fertig – zumindest die Kinder. Für sie gibt es danach oft noch einen Joghurt oder Heidelbeerjoghurt mit Granola.
Sobald alle gegessen haben, gehen die Kinder mit den Eltern nach oben, um ihre Abendroutine zu machen. Ich räume in dieser Zeit die Küche auf und leere den Müll, wenn er voll ist. Danach gehe ich nach oben und fülle die Wasserflaschen der Kinder auf, die sie mit ins Bett nehmen. Anschliessend frage ich die Eltern, ob es noch etwas gibt, wobei ich helfen kann. Wenn nichts mehr anfällt, endet meine Arbeitszeit – meistens gegen 19.00 Uhr. Wenn ich am Abend noch Babysitten soll, variiert die Arbeitszeit dementsprechend.
Wochenenden mit meiner Gastfamilie
Mit den Kindern wird man viele schöne Momente erleben und Spass haben. Es ist ein einzigartiges Erlebnis, wenn man zum Beispiel am Wochenende arbeitet und man auf einen Spaziergang gehen kann, andere Aktivitäten macht oder man zusammen die lokale Bäckerei besucht. Wenn die Familie ihre eigenen Pläne hat, hast du das Wochenende für dich.
Sprachschule in Oslo
Als ich die Sprachschule im Winter besuchte, fand ich es super, dass mein Weg direkt am Königsschloss von Norwegen in Oslo vorbeiführte. Da die Stadt mit Schnee bedeckt war, erschien das Schloss noch majestätischer.
Das Wetter in Norwegen
Der Herbst kann hier in Norwegen ziemlich traurig sein, teilweise ist es dauerbewölkt und es kann vorkommen, dass man 5 Wochen lang kein Sonnenlicht sieht und es viel regnet. Anfang September ist es jedoch noch schön, dann kehrt der Herbst ein und im Winter kann es auch bereits um 16 Uhr schon dunkel sein und eisige Minustemperaturen herrschen. Es ist jedoch umso schöner, wenn das Ganze in den Frühling übergeht, weil man sieht, wie alles auftaut und sich die Stimmung der Menschen positiv verändert.
Etwas kurios als Schweizer
An etwas, woran ich mich gewöhnen musste, ist, dass viele Geschäfte erst um 10.00 Uhr öffnen. Ich sage es mal so: Die Norweger sind ein wenig gemütlicher – eine norwegische Arbeitswoche umfasst auch nur 37,5 Stunden. Auch in puncto Effizienz kann es durchaus manchmal zu Wartezeiten kommen. Das ist etwas, das ich ein wenig vermisse: die Effizienz und die früheren Öffnungszeiten der Geschäfte.
Die Norweger
Ich habe bereits vieles erlebt hier in Norwegen wovon ich nur profitieren kann. Und mach dir keine Sorgen um Freundschaften in Norwegen. Es dauert bei den Norwegern zwar etwas länger, bis sie sich öffnen, da sie anfangs eher zurückhaltend wirken und oft eine harte Schale, aber einen weichen Kern haben. Ausserdem sind sie häufig stark mit sich selbst beschäftigt. Sobald du jedoch ein wenig ihre Sprache sprichst, werden sie deutlich offener.
Ein paar Tipps
Tritt einem Verein bei oder geh in die Kirche. In der katholischen Kirche gibt es Gruppen für junge Erwachsene, die gemeinsam in den Gottesdienst oder auch zum Abendessen gehen. In der Bibliothek gibt es wöchentliche kostenlose Aktivitäten, an denen man teilnehmen kann und es hat reichlich soziale Treffpunkte, wo man gratis norwegisch lernen kann. Nimm an einer geführten Tour teil oder besuche einen Sprachkurs – es hat viele Möglichkeiten sich zu beschäftigen oder Leute kennenzulernen.
Soweit gefällt es mir hier in Norwegen sehr gut, aber ich freue mich auch wieder zurück in die Schweiz zu kommen.